Mittwoch, 22. September 2010

Die Jurtenmücke

Wer die Märchenjurte in diesem Jahr bereits besucht hat, hat sie schon kennen gelernt: Die Jurtenmücke (Maerchenjurtenidae). Sie liebt Märchen und Geschichten, die Gesellschaft von vielen Menschen und freut sich über das Händeklatschen ihrer potentiellen Opfer. Ihr kleiner Rumpf ist gestreift und sie tritt in Scharen auf.


Leider sind unsere Angebote nicht auf Jurtenmücken ausgelegt, so dass sie sich schnell langweilen und dann zustechen. Deshalb empfiehlt es sich, vor dem Besuch der Märchenjurte Mückenvertreibungsmitteln zu nehmen und sich einzusprühen.

Bleibt nur noch die Frage: Wer hat die Jurtenmücken eigentlich eingeladen?

Auch Märchenerzähler brauchen Mückenschutz.

Toula, die Kriegerin


Labo Ben Yahaya, unser Gast aus Niger, brachte am gestrigen Aben kein Märchen mit, sondern er erzählte die Legende einer Kriegerin, die wie Aschenputtel als Waise bei ihrem Onkel aufwuchs und später zur Königin ihres Dorfes aufstieg und sich gegen die Kolonialherren erhob. Bilder oder Fotos gibt es von Toula nicht, aber ihre Legende wird den Kindern voller Stolz erzählt. Toulas Grab wird heute immer noch besucht.

In der Schatztruhe waren diesmal nur 2 Fotos verborgen. Fotos? Darauf waren Mangos und Guaven abgebildet. Auf den Tischen vor der Jurte standen Becher mit Mangosaft und Guavensaft.

Da konnte jeder, der wollte, nach Herzenlust kosten.

Als Aktion des Tages konnten die Kinder (unter Mithilfe der Erwachsenen) Autos selber bauen. Grundlage dafür bildeten Tetrapacks. Wie aus einer Milchpackung mit etwas Pappe, 2 Holzstäben, Klebeband und Kronkorken ein schneller Flitzer wird, zeigen Euch die nächsten Bilder.

1. Schritt: Die geeignete Karosserie finden

2. Schritt: Zurechtschneiden der Frontscheibe

3. Schritt: Einbau des Papphecks


4. Schritt: Herstellung der Radachslagerungsvorrichtung (Löcher für die Radachsen)


5. Schritt: Anpassung der Räder (Löcher in die Kronkorken hämmern)


6. Schritt: Anbau der Räder an die Radachse


7. Schritt: Befestigung des Motors (Schnur zum Ziehen)

8. Schritt: Probefahrt


9. Schritt: Freude


10. Schritt: Der fertige Flitzer


Willkommen in der Boukkagatanna

Es ist schon eine Herausforderung für unsere Gäste, unsere eigene Wortschöpfung "Märchenjurte" in ihre Muttersprache zu übersetzen. So auch für Labo Ben Yahaya, der im Niger (nicht zu verwechseln mit Nigeria) aufgewachsen ist. Die Übersetzung "Boukkagatanna" setzt sich zusammen aus den Wörtern Hütte und Geschichten / Märchen.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele afrikanische Sprachen keine Schreibsprachen sind. Das bedeutet, dass die Wörter nach Gefühl geschrieben werden. Das sieht dann genauso aus, als würdet ihr Dessauerisch schreiben wollen: Happt dr dos jeschnalldt?

Die Übertragungen in dieser Woche lauten weiter:

Història na Tenda (Mosambik)
Koudjon Mouaa (Kabye Sprache - Togo)
Soalme Doogo (Moree Sprache - Burkina Faso)

In Algerien wird arabisch gesprochen und geschrieben. Die Übersetzung haben wir aus dem vergangenen Jahr und sie hängt schon.

Dienstag, 21. September 2010

Die Jurte in der Mitteldeutschen Zeitung

Von Mäusen und Mücken

Jaime Don Antonio begrüßte zum ersten Abend die Zuhörer in der "Història na Tenda" ("Märchenjurte" auf portugiesisch). Er erzählte allen Kindern, Großeltern und Mücken die Geschichte von den Mäusen, die bei der Wildkatze zur Schule gehen wollten und nach und nach als Mittagssnack ihr Leben lassen mußten. Man darf nicht zu leichtgläubig sein, auch wenn es verlockend ist...
In der Schatzkiste waren Papaya versteckt - eine Obstsorte, die in Mosambik wächst und auch wegen seiner medizinischen Wirkung gern gegessen wird.

Dann erklärte Jaime, dass die Kinder in Mosambik kein Geld für Spielzeug haben. Deshalb basteln sie aus Abfällen selbst ihre Spielzeuge. So auch Fußbälle. Aus Plastetüten und Stoffen werden Bälle zusammen geschnürt, mit denen barfuß gespielt wird.

Das große Bällebasteln konnte beginnen. Nike kann mit seiner Ballproduktion bald einpacken!


Mein Ergebnis. Einem Ball nicht unähnlich...

Wiedersehen nach Jahren

Unser heutiger Gast in der Jurte Jaime Don Antonio ist als Schulkind vor 28 Jahren in die ehemalige DDR gekommen, um in Stassfurt mit 900 weiteren mosambikanischen Kindern die Schule zu besuchen. In der damaligen "Schule der Freundschaft" lehrten auch deutsche Lehrer.
Nach vielen Jahren kam es am Rande der Märchenjurte zu einem Wiedersehen zwischen Schüler und Lehrerin - ein bewegender Moment.

Dann wurde in gemeinsamen Erinnerungen geschwelgt.
Für solche Momente ist die Märchenjurte geschaffen.

Die Jurte kommt...

Montag, Nachmittag, Sonne, die Jurte kommt: mit dem Handwagen aus dem Liboriusgymnasium. Mehrere Kisten, Schnüre, Heringe und natürlich eine Schar von jungen Pfadfinderinnen und Pfadfindern vom Stamm Jacobus Dessau im Schleptau.


Innerhalb von einer Stunde steht das schwarze Zelt (O-Ton einer Besucherin: "Ich hatte mir eine mongolische Jurte immer weiss vorgestellt") im Hof der Anhaltischen Stadtbibliothek. Der Rasen wurde in weiser Vorausssicht gemäht.


In Windeseile wird die Jurte eingeräumt. Der Thron kommt an seinen angestammten Platz, der Sternenhimmel an die Seitenwand. Die Leselampe wird angeschraubt, die Pfadfinderfahne gut sichtbar platziert.


Und dann kommen sie. nein, nicht die ersten Besucher, sondern die Mücken. Märchen und Geschichten scheinen eine hohe Anziehungskraft auf sie auszuüben. Gut, dass Thema zwar Afrika ist, es sich aber nicht um Original-Malaria-Mücken handelt. So detailversessen sind wir dann doch nicht ;-)



Fertig! Die Besucher können kommen...

(und die Mücken können abdampfen).